Bolivien-Einsatz 2024 von Birgit und Kerstin



Gruppenprophylaxe in der Kindertagespflege
In Vertretung der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Hessen (LAGH) nahmen Dr. Andrea Plewe, Kassel, und Dr. Birgit de Taillez, Neukirchen, an der Fachtagung des Hessischen KinderTagespflegeBüros (HKTB) zu Kinderrechten in der Kindertagespflege am 09.05.2023 in Kassel teil. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration durchgeführt. Der Alltag in der Kindertagespflege bietet Kindern viele Anknüpfungspunkte, um mit Gerechtigkeit, Verschiedenheit und Gleichheit umzugehen. Die Kinderrechte sind hierfür von Anfang an der rote Faden, sie gelten immer und überall, auch in der Mundgesundheitsförderung (Gruppenprophylaxe).

Dr. Andrea Plewe und Dr. Birgit de Taillez hatten alle Hände voll zu tun, alle Fragen der interessierten Teilnehmenden zu beantworten. Bei dieser Gelegenheit wurden Kontaktdaten ausgetauscht und erste Absprachen zu weiteren gemeinsamen Aktionen getroffen.

23.04.2021:
Kennst du schon den Wurzelwicht? Nein?? Dann klick mal auf den folgenden Link:
Die Geschichte vom Wurzelwicht
Zahnfee-Wurzelwicht-Ausmalblatt
24.06.2018:
Hier ein Reisebericht über den Hilfseinsatz in Rumänien 2018 von Dr. Birgit de Taillez (PDF, 2 MB):

20.09.2016:
Hier ein Reisebericht über den Hilfseinsatz in Ladakh 2016 von Dr. Birgit de Taillez (PDF, 77 MB):
07.02.2015 Ladakh-Vortrag 2015 Steinwaldschule am 04. März 2015

21.09.2014 Presseinformation zum Tag der Zahngesundheit am 25. September

„Schnuller – ja oder nein?“, „Wie wichtig sind gesunde Milchzähne?“, „Naschen verboten?“. Die 38 Heftseiten bündeln in eingängiger Sprache und mit einer ebenso kind- wie auch elterngerechten Darstellung die Kenntnisse aus jahrzehntelanger zahnmedizinischer Prophylaxe bei Kindern und Jugendlichen wie etwa die Zahnputz-Systematik „KAIplus“.

09.11.2013

Wenn die Bleibenden auftauchen: Eltern putzen quer!

Wenn Ihr Kind zwischen 5 und 6 Jahre alt ist, taucht der erste große Backenzahn hinter den Milchzähnen auf. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis alle vier „6-Jahrmolaren“ komplett durchgebrochen sind und beginnen, aufeinander zu mahlen und zu reiben.

Da die natürliche Abnutzung während des Zahnwechsels sehr gering ist, kommt dem Zahnputzen der unebenen Kauflächen eine besondere Bedeutung zu. Und wie Sie hier sehen können, können Teile der Kaufläche vom Zahnfleisch nach dem Durchbruch überdeckt werden.

Herkömmliches Zähneputzen wird diese Backenzähne nicht reinigen können, da sie sich hinter den Milchzähnen verstecken. Das Beste, was Sie daher tun können, um diese Zähne zu reinigen,ist, die Zahnbürste im rechten Winkel zur Zahnfront vor und zurück zu bewegen.
(Quelle Text/Bilder: BuKiZ)
Bericht aus dem Hessischen Zahnarzt September/Oktober 2013
Toothbrush in a Bottle - Prophylaxe am Dach der Welt



Pressemitteilung Schwälmer Bote vom 31.07.2013:

Richtiges Zähneputzen will gelernt sein. Deshalb gehört auch die Prophylaxe zum Aufgabenbereich de Taillez' (Foto: Kinder des Himalaya)
Schwalm Eder. Jeder hat eine Ahnung davon, was das Land seiner Sehnsucht ist. Für die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez liegt es im Himalaya: Ladakh, ein magisches, zutiefst buddhistisches altes Königreich. 120 Kinder hat sie und ihre Praxismitarbeiterin Petra Keller in den vergangenen zwei Wochen in einer Modellschule der ehrenamtlichen deutschen Hilfsorgansiation „Kinder des Himalaya“ behandelt. In wenigen Tagen heißt es Abschied nehmen. De Taillez blickt zurück auf eine Zeit, die sie ihr gesamtes Leben nicht vergessen wird: „Die Herzlichkeit der Menschen, die ursprüngliche Landschaft, all diese Eindrücke vom augenscheinlich friedlichsten Ort der Welt nehmen wir mit zurück in unsere Heimat.“
Wie ein Jubel zur Begrüßung
Ladakh heißt „Land der hohen Pässe“. Es liegt am nordwestlichen Rand des Himalaya, 4.000 Meter hoch. Die Region ist nahezu unbewohnbar, nicht mal ein Prozent der Fläche ist besiedelt. Die Sommer sind kurz, die Ladakhis ernten dann, was für den Winter reichen muss, Gemüse, Gerste und Weizen, die sie rösten und stampfen und in ihre Eintöpfe rühren. Im Winter, wenn alle Wege verschneit sind und die Menschen in den Dörfern ihre Häuser nicht verlassen können, fällt das Land in die weltvergessene Ruhe zurück, in der es jahrhundertelang lag, als es noch ein buddhistisches Königreich war. De Taillez: „Zur Begrüßung heben die Menschen hier die rechte Hand an die Stirn, die Handkante nach außen, und rufen „Julee!“, das ist der Gruß im Ladakh, er klingt wie ein Jubel.“ Am heutigen Sonntag haben die beiden noch einmal Gelegenheit, die Schönheit der Region zu erkunden. „Wir sind eingeladen, an einer Tour zu einem viereinhalbtausend Meter hoch gelegenen Bergsee teilzunehmen.“ Danach geht es in die Hauptstadt Leh, für Dienstag ist ihr Flug zurück in die Heimat gebucht. Viele Milchzähne hat sie in den vergangenen zwei Wochen gezogen und Karies bekämpft. „Die Kinder haben nie eine Zahnbürste zu Gesicht bekommen, geschweige denn im Mund gehabt. Die Zahnhygiene ist katastrophal“, berichtet de Taillez. Das soll sich in Zukunft ändern. Deshalb gab es zum Abschied für jeden kleinen Patienten eine Wasserflasche und eine Zahnbürste. Die soll in Zukunft täglich in der Schule zum Einsatz kommen.
Auch in diesem Jahr wird nach de Taillez und Kellers Rückkehr ein Infoabend mit Diashow stattfinden. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. (Quelle: Schwälmer Bote vom 31.07.2013)
Schwalm-Eder.
Das Telefon klingelt. Auf dem Display erscheint die Landesvorwahl +91 – Indien ruft an, besser gesagt, die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez. Für zwei Wochen sind sie und ihre Praxismitarbeiterin Petra Keller für die ehrenamtliche Hilfsorganisation „Kinder des Himalaya“ in der nordindischen Provinz Ladakh in Schulen unterwegs – eine zahnärztliche Versorgung ist dort nämlich quasi nicht vorhanden. Die rund 6.500 Kilometer Entfernung von de Taillez zu ihrer deutschen Heimat merkt man deutlich an den langen Gesprächspausen während des Telefonierens. Etwa vier Sekunden dauert es, bis das gesprochene Wort das andere Ende der Leitung und damit auch die anderen Seite der Welt erreicht. Eine Internetverbindung ist nicht vorhanden. Nach einer rund 36-stündigen Reise sind die beiden Frauen am späten Sonntag an dem 2.500 Kilometer langen Bergmassiv angekommen. „Im Vorfeld hat man uns vor den körperlichen Herausforderungen gewarnt, die eine solche Höhe mit sich bringt. Jetzt spüren wir am eigenen Leib, wie sich 4.000 Meter über Normalnull anfühlen. Die Dauerkopfschmerzen belasten, der Körper hat seine Leistungsfähigkeit eingebüßt“, sagt de Taillez.
Karies hier, Karies da
Nach zwei Tagen Eingewöhnungszeit haben sie am Montag ihren Einsatzort erreicht: In einer deutschen Modellschule – errichtet von der Organisation „Kinder des Himalya“ – sind die beiden momentan hauptsächlich damit beschäftigt, Milchzähne zu ziehen. „Karies hier und Karies da – der Zustand der Zähne ist stellenweise katastrophal“, berichtet de Taillez. Daher gehört es auch zur Aufgabe der Dentisten, den Kindern das richtige Zähneputzen beizubringen. Das soll auch in Zukunft zum Schulalltag gehören. Und auch wenn die Zahngesundheit de Taillez und ihren Kollegen den nackten Schauder über den Rücken jagt, sind sie von den Menschen begeistert. De Taillez: „Der Empfang war so unglaublich warm und herzlich. Alle 260 Schüler haben Spalier gestanden und uns Blumen überreicht – ein Orchester hat außerdem zur Begrüßung gespielt. Lobende Worte findet sie für die Organisation: „Die technische Ausstattung ist in einem guten Zustand. Wir bekommen viel Unterstützung.“
Wie das Abenteuer am Himalaya weitergeht? De Taillez hat versprochen, sich in den kommenden Tagen noch einmal zu melden.
(Quelle: Schwälmer Bote vom 23.07.2013)
Pressemitteilung Schwälmer Bote vom 11.07.2013:
Plomben am Himalaya: Zahnärztin de Taillez ist wieder im Hilfseinsatz

Praxismitarbeiterin Petra Keller und die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez sitzen auf gepackten Koffern. Am kommenden Freitag geht es für die Organisation "Kinder im Himalaya e.V." zum Hilfseinsatz in die nordindische Provinz Ladakh. Foto: Alexander Göbert
Neukirchen.
Die Erinnerungen an ihre Reise in die Mongolei im vergangenen Jahr sind noch frisch und schon sitzt die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez wieder auf gepackten Koffern. Am kommenden Freitag, 12. Juli, um 22.25 Uhr, geht ihr Flieger von Frankfurt am Main in Richtung Nordindien. Gemeinsam mit ihrer Praxismitarbeiterin Petra Keller wird sie dort in der Region Ladakh tätig sein – die Reise bezahlt sie wieder aus eigener Tasche. War es in den vergangenen Jahren die Hilfsorganisation „Zahnärzte ohne Grenzen“, ist sie diesmal für den ehrenamtlichen Verein „Kinder des Himalaya“ im Einsatz.
Langer Flug ins Unbekannte
Die Flugtickets sind gebucht und das umfangreiche Behandlungsmaterial – zu einem Teil gesponsert von Firmen und befreundeten Unternehmen – steht bereit. Auch der Trinkwasseraufbereiter, den sich de Taillez von den Spenden vieler Neukirchener gekauft hat, gehört ins Gepäck. Insgesamt 36 Stunden – inklusive eines 13-stündigen Zwischenstopps in Moskau – sind die beiden unterwegs, bevor sie ihr erstes Ziel in 4.000 Metern Höhe über Normalnull erreicht haben. Dann heißt es erstmal für zwei Tage Eingewöhnung. „Die große Höhe und der niedrige Sauerstoffgehalt schlägt auf den Organismus – das ist nicht zu unterschätzen“, sagt die Zahnärztin. Vor Ort bekommen die beiden dann ihren genauen Einsatzort mitgeteilt. Kleintibet. Westtibet. Indisch-Tibet. Alles Zweitnamen für Ladakh, das Land der hohen Pässe zwischen Himalaya und Karakorum.
Ein wahrer Fulltime-Job
So viel Ladakh auch mit Tibet gemeinsam hat, so ist es doch eine eigenständige Region, die viel zu bieten hat: Eine Landschaft, die geradezu prädestiniert ist fürs Wandern und Trekking, Klöster, die ein Eintauchen in den Buddhismus erlauben, Gipfel, die zum Bergsteigen einladen. „Zeit um all das kennen zu lernen werden wir aber kaum haben – so ein Abenteuer ist ein wahrer Fulltime-Job“, spricht de Taillez aus Erfahrung. Eine zahnärztliche Versorgung sei dort nämlich quasi nicht vorhanden.
Die Zahngesundheit der Kinder hat sich in den vergangenen Jahren rapide verschlechtert. Mitverantwortlich dafür sind der zunehmende Tourismus und die damit zusammenhängende Übernahme westlicher Lebensgewohnheiten mit verändertem Ernährungsverhalten. „Limonaden und Süßigkeiten, bei gleichzeitig bislang unbekannter Mund- und Zahnhygiene, sind eine gefährliche Mischung“, weiß de Taillez. Außerdem fehle in den Dörfern und abgelegenen Regionen eine zahnärztliche Versorgung fast gänzlich. Die Strapazen nimmt sie aber wieder gerne auf sich. De Taillez: „Der unverfälschte Kontakt zu den Menschen, das Lächeln nach erfolgreicher Behandlung – all dies entlohnt.“ Und auch sie selbst profitiert von der Reise. „Das ist eine geniale Möglichkeit der praxisorientierten Weiterbildung unter Extrembedingungen.“ Auch diesmal wird de Taillez, in unregelmäßigem Abstand, in den kommenden zwei Wochen, unsere Leser auf dem Laufenden halten. (Quelle: Schwälmer Bote vom 11.07.2013)
Gesundheitstage vom 18.-24. Februar 2013:
Wir sind dabei mit dem KARIESTUNNEL!



05.12.2012

11.08.2012
Zahnärzte ohne Grenzen: Mongolei-Einsatz 2012 (Presseartikel aus dem Schwälmer Boten vom 11.08.2012)

Mongolei. Zwei Wochen in der Mongolei sind vorüber, die letzte bricht für Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez und ihre Kollegin Carina Bethe an. Ihre Zelte in Galuut haben die Beiden mittlerweile abgebrochen. Nächster Halt: Erdenesogt.
De Taillez schreibt am Sonntag, 5. August: „Gestern war Packtag. Flächendesinfektion und Handschuhe sind alle, kein Wunder bei sechs Behandlungstagen à zehn Stunden, 350 gezogenen Zähnen, 250 Füllungen und diversen Prothesenreperaturen. Zum Glück konnten wir in den letzten beiden Arbeitstagen die endlich aus Ulanbator eingetroffenen Extraktionszangen benutzen. Bis dahin mussten wir uns mit unserem eigenen Notinstrumentarium behelfen. Abends nach unserem letzten Arbeitstag fuhren wir mit dem Jeep zum Fluß, um Wäsche zu waschen und zu Baden – es war einfach wunderbar.
Yaks weideten grunzend in unserer Nähe, Jurten am Flußufer, ringsum Weiden soweit das Auge reicht, eingerahmt von Bergen und überspannt vom Himmel, Kamillenduft überall.
Zu Besuch in der Jurte fühlten wir uns wie bei Freunden. Wohlschmeckender, Yakyoghurt, Ayrag, Arul und Wodka, begleitet von Scherzchen und Danksprüchen machten die Runde. Warmherzig und freundlich sind die Mongolen auf dem Lande.
Nach einer verregneten Nacht – auch heute scheinen die Tropfen noch nicht weichen zu wollen – haben wir uns auf den Weg nach Erdenesogt gemacht.“
Viel Regen und kein Strom
Die nächste Nachricht ist vom Mittwoch, 8. August: „Kein Strom, seit zwei Tagen! Es ist aufgrund der vielen Regenfälle ein Strommast umgefallen. Reparaturen sind erst in ein paar Tagen möglich wenn der Fluss weniger Wasser führt.
Das Mobilfunknetz ist auch ausgefallen. Da das Telefon des Mongolen liebstes Hobby ist, wird dieser Mangel aber sicher in absehbarer Zeit behoben. Inzwischen fahren wir schnell ins Nachbartal, vielleicht ist dort der Empfang besser.
Notstromgenerator tuckert inzwischen tapfer vor sich hin, so er denn mit Benzin gefüttert wird. Hier in Erdenesogt konnten wir bisher nur halb soviele Patienten wie in Galuut behandeln. Aufgrund der Stromschwankungen müssen wir unsere Geräte ständig reparieren und müssen Einheiten und Sterilisator abwechselnd betreiben. Zum Glück sind hier die Zähne der Patienten nicht in absolut katastrophalem Zustand. Vor einem halben Jahr war sogar ein Zahnarzt hier.
Viele Grüße aus der Mongolei, ihre Dr. Birgit de Taillez.“
05.08.2012
Zahnärzte ohne Grenzen: Mongolei-Einsatz 2012 (Presseartikel aus dem Schwälmer Boten vom 05.08.2012)
Unter schwierigsten Bedingungen arbeiten Dr. Birgit de Taillez (links) und Zahnarzthelferin Carina Bethe in dem provisorischen Behandlungszimmer. Foto: kk
Schwalm-Eder / Mongolei. Die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez und ihre Kollegin Carina Bethe sind nach drei Tagen Anreise wohlbehalten an ihrem Einsatzort angekommen. Für die Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ fühlen die beiden der mongolischen Landbevölkerung sprichwörtlich auf den Zahn.
In einer E-Mail beschreibt Dr. de Taillez die ersten Eindrücke:
„Heute war unser zweiter Behandlungstag. Unser Team besteht aus drei Zahnärzten, einer Helferin und einem Dolmetscher. Hier im Sum Galuut (so groß wie der Schwalm-Eder-Kreis) war noch nie ein Zahnarzt. So haben wir in diesen beiden Tagen 90 Patienten behandelt, 135 Zähne gezogen und 46 Füllungen gelegt und ein paar einfache Prothesen repariert. Unser Improvisationstalent ist immer gefragt, denn es fehlt an allen Ecken und Enden am gewohnten Instrumentarium. Unsere Patienten haben viele zerstörte Zähne. Oft kommen sie 100 Kilometer weit mit dem Motorrad gefahren oder mit acht Personen in nur einem Auto. Ganze Familien nehmen die beschwerliche Anreise in Kauf. Der Behandlungsbedarf ist sehr groß. Gegen Ende des Behandlungstages drängen immer noch Patienten gegen die Tür des Behandlungszimmers – richtiger Tumult entsteht. Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald Polizeischutz. Uns blutet das Herz, wenn so viele Menschen unbehandelt bleiben. Die Mongolen kommen stets sauber und gewaschen, mit geputzten Zähnen, in ihren besten Anziehsachen zur Behandlung. Das zeugt von großer Hochachtung uns gegenüber.“
29.07.2012
Zahnärzte ohne Grenzen: Mongolei-Einsatz 2012 (Presseartikel von Alexander Göbert aus dem Schwälmer Boten vom 29.07.2012)

Neukirchen. Es ist ein messerscharfer Wind, der direkt aus Sibirien zu kommen scheint. Schneidend kalt jagt er weiße Wolken über den königsblauen Himmel, wirbelt sie durcheinander, reißt sie wieder auseinander, und treibt sie erbarmungslos weiter wie die Nomaden zu Pferde ihre Schafe in der endlosen Steppe.
Der Wind rüttelt an den Menschen in ihren Mänteln, bis sie sich geduckt wegdrehen. Nicht umsonst trägt die Mongolei den Beiname „Land der zornigen Winde“. Die Temperaturen schwanken zwischen 20 Grad im Sommmer und -40 Grad im Winter.
Letzter Ausweg Wodka
Das Leben konzentriert sich auf die Hauptstadt Ulan Bator. Etwa ein Drittel der 2,75 Millionen Mongolen lebt dort. Die Stadt wächst seit Jahren stetig, während im Rest des Landes Arbeitsplätze, Infrastruktur und der dringend benötigte Gesundheitsschutz fehlen.
Dr. Birgit de Taillez (rechts) zeigt Zahnarzthelferin Carina Bethe wo die Reise hingeht. Am heutigen Sonntag um 15.30 startet ihr Flieger in Richtung Mongolei. Foto: Alexander Göbert
Von 900 Zahnärzten in der Mongolei sind nur 200 außerhalb der Hauptstadt tätig, und das in einem Land, das fast viereinhalbmal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland. „Bevor ein Nomade im Winter den langen Weg zum Zahnarzt auf sich nimmt, hat er sich schon mit Wodka kuriert oder gar erschossen“, bringt die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez die Sache schonungslos auf den Punkt.
Für die Hilfsorganisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ ist sie in der Mongolei für die kommenden drei Wochen im Einsatz. Das bereits zum dritten Mal – die Reisen bezahlt sie aus eigener Tasche.
Der Rest ist Piste
Die Flugtickets liegen bereit. Am heutigen Sonntagnachmittag um 15.30 Uhr hebt ihr Flieger vom Flughafen Berlin-Tegel ab. Siebeneinhalb Stunden und 6.357 Kilometer später landen de Taillez und ihre Zahnarzthelferin Carina Bethe in Ulan Bator – angekommen sind sie aber noch lange nicht. „Der Anfang war ein Klacks, der Rest ist 650 Kilometer Piste“, sagt de Taillez. Bis zum ersten Mal der Bohrer angschmissen wird, dauert es nochmal ganze zwei Tage.
„Das größte Wagnis ist, möglichst unauffällig, ohne Begehrlichkeiten für unsere Ausrüstung zu wecken, am Einsatzort anzukommen“, umschreibt de Taillez die brenzlige Situation bei der Einreise. Trotzdem hat sie sich in das Land und die Nomaden verliebt: „Solch eine grenzenlose Landschaft und Herzlichkeit der Landbevölkerung. Dort erlebt man unbegrenzte Freiheit am eigenen Leib.“
Ein Bild von der vergangenen Reise. Dieser kleine Patient wird in das Einmaleins der Zahnhygiene eingeweiht Foto: kk
Das Land in seiner Schönheit zu genießen, dazu wird de Taillez aber kaum kommen. Ist vor Ort die mobile Zahnstation – Behandlungsstuhl, Licht, Kompressor, zahnmedizinisches Gerät, das mit Strom von einem Generator betrieben wird – erst einmal aufgebaut, wird von morgens bis abends gearbeitet. Wer den Weg auf sich genommen hat, der wird auch behandelt.
Die Patienten müssen eine Flasche Wasser zum Ausspülen und Taschentücher mitbringen. Zähne werden in den meisten Fällen gezogen, Löcher gebohrt und dann wieder zugestopft. „Das ist bitter nötig“, sagt de Taillez. In manchen Gegenden des Landes gebe es seit Jahren keinen Zahnarzt mehr.
„Es ist unvorstellbar: Während man hierzulande bei starken Zahnschmerzen am selben Tag noch auf dem Behandlungsstuhl liegt, sterben dort in manchen Fällen die Menschen an ihren Zahnproblemen. Die Nomaden besitzen kein Geld, sondern leben von dem, was sie selbst produzieren. Eine Zahnbehandlungen können sie sich nicht leisten.“
Wer aber glaubt, dass die Gebisse der mongolischen Landbevölkerung vom Karies zerstört sind, der irrt. De Taillez vermutet: „Die Zähne scheinen kariesresistenter aufgrund der kalziumreichen Milchprodukte.“ Auch würden seltenst kieferorthopädische Erkrankungen festgestellt.
„Das ist der Lebensweise zu verdanken. Frischluft, Reiten, kein Sitzen auf Stühlen, brettharte Betten, viel Singen und kauaktive Nahrung beugen dem vor.“ Mit den westeuropäischen Zähnen seien die der Mongolen nur schwer zu vergleichen.
Die Neukirchener Zahnärztin wird in den kommenden Wochen zwischen 200 und 400 Patienten behandeln und helfen. Doch auch sie wird an ihre Grenzen kommen. „Der Ruf der deutschen Zahnärzte ist gut, aber wir können nicht zaubern“, sagt sie und erinnert sich an ihre erste Reise: „Da war dieses kleine Kind – höchstens zwei Jahre alt – dem mussten wir vier entzündete Frontzähne ziehen. Das Betäubungsmittel hat nicht richtig gewirkt. Das Schreien werde ich nie vergessen.“
Dennoch weiß de Taillez ganz genau, warum sie die Strapazen auf sich nimmt: „Ich wollte schon immer dort helfen, wo Hilfe rar gesät ist. Die Dankbarkeit der Menschen ist Lohn genug.“
In unregelmäßigem Abstand wird Dr. Birgit de Taillez in den kommenden drei Wochen unsere Leser in Text und Bild auf dem Laufenden halten.
Print